Warum Jobbörsen nicht mehr reichen
Eine Stellenanzeige erreicht Menschen, die gerade aktiv suchen. Viele, die du am liebsten einstellen würdest, suchen nicht: Sie haben einen Job, sind halbwegs zufrieden und wechseln nur, wenn ihnen etwas Besseres über den Weg läuft. Auf Social Media passiert genau das.
Gerade im Handwerk wechseln viele, weil jemand, den sie kennen, erzählt hat, dass es dort gut ist. Social Media ist dieses Gespräch im großen Stil: Es zeigt, wie die Arbeit bei dir aussieht, bevor jemand eine Bewerbung schickt.
Zeig die Arbeit, nicht den Slogan
„Tolles Team, flache Hierarchien“ steht in jeder Anzeige und überzeugt niemanden. Ein kurzes Video von einem Morgen auf der Baustelle, dem neuen Firmenwagen, der aufgeräumten Werkstatt am Freitag oder dem Azubi, der sein erstes eigenes Projekt erklärt, sagt mehr, und niemand muss es glauben, weil man es sieht.
Mitarbeitende sind nur vor der Kamera, wenn sie es wollen, mit schriftlicher Einwilligung, die sie jederzeit widerrufen können. Viele gute Recruiting-Beiträge zeigen Hände, Werkzeug und Ergebnisse statt Gesichter; das passt auch für Teams, die sich nicht gern filmen lassen.
Schreib die Stelle wie eine Nachricht an eine Person
Sag, welcher Job es ist, wo, zu welchen Zeiten und, wenn möglich, wie viel du zahlst. Dann sag in einem Satz, wie man sich bewirbt. Ein Beitrag mit Gehaltsspanne und „Schreib uns per WhatsApp, kein Lebenslauf nötig“ bekommt Antworten von Leuten, die nie ein PDF hochgeladen hätten.
Sprich im Text eine bestimmte Person an: den Elektriker, der die langen Anfahrten satt hat, die examinierte Pflegekraft, die feste Dienstzeiten möchte. In einer genauen Beschreibung erkennen sich Menschen wieder, an einer allgemeinen scrollen sie vorbei.
Mach Bewerben so leicht wie eine Pizza bestellen
Die meisten sehen deinen Beitrag auf dem Handy, in einer Pause. Braucht die Bewerbung ein Anschreiben, einen Lebenslauf und ein Konto im Portal, schieben sie es auf und vergessen es. Für den ersten Kontakt reichen ein kurzes Formular mit drei Fragen oder ein Nachrichtenverlauf.
Antworte innerhalb eines Tages. Wer eine Woche nichts hört, hat meist woanders zugesagt und erzählt im Freundeskreis, wie es gelaufen ist.
Lass dein Team mittragen
Wenn Mitarbeitende einen Recruiting-Beitrag teilen, erreicht er ihre Freunde und früheren Kollegen, also genau die Menschen, die am ehesten passen. Eine Empfehlungsprämie macht das Teilen lohnend, ein kurzer fertiger Text macht es leicht.
Poste Recruiting-Beiträge regelmäßig, zum Beispiel einen pro Woche neben deinen anderen Beiträgen, statt einer großen Kampagne immer dann, wenn eine Stelle frei ist. Gute Kandidaten bemerken einen Betrieb lange bevor sie sich bewerben.
Regeln, die in Deutschland gelten
Stellenbeiträge müssen nach dem AGG neutral sein: geschlechtsneutral, etwa mit „(m/w/d)“, keine Altersgrenzen und auch kein „junges Team“ in der Beschreibung. Bewerberdaten fallen unter die DSGVO; sammle nur, was du brauchst, und lösch es, wenn es nicht mehr gebraucht wird, nach einer Absage üblicherweise nach etwa sechs Monaten.
Fotos und Videos von Mitarbeitenden brauchen ihre Einwilligung, ebenso Beiträge, die sie namentlich nennen. Hol sie schriftlich ein und bewahr sie auf. Das ist keine Rechtsberatung; im Einzelfall fragst du deinen Anwalt oder deine Kammer.